Um all diese Fragen gezielt beantworten zu können, muss man sich mit dem Aufbau des menschlichen Körpers befassen. Für den ergonomischen Bewegungsablauf sind nicht einzelne Muskeln, Gelenke, Gewebe oder Nerven verantwortlich. Vielmehr spielen all diese Komponenten zusammen und erzeugen ein Bewegungsmuster. Noch bis vor einigen Jahren wurde der Elastizität der Muskulatur die vorwiegende Verantwortlichkeit für das Maß der Beweglichkeit zugeschrieben. Inzwischen weiß man, dass eine mindestens ebenso große Bedeutung den Faszien zukommt, bei denen es sich um bestimmte Bestandteile des Bindegewebes handelt. Sie befinden sich im gesamten Körper und besitzen die Aufgabe, die Organe zu stützen sowie die Sehnen und Muskeln während der Bewegung zu führen. Ihr kollagenes Gewebe wirkt gleichzeitig als Stoßdämpfer. Intakte Faszien bewahren den Sportler also zu einem großen Teil vor Verletzungen. Defekte Faszien hingegen behindern die Bewegungsabläufe und können selbst Schäden an der Muskulatur verursachen. Diese beeinträchtigen uns nicht nur beim Sport, sondern stören auch bei alltäglichen Verrichtungen.

Wollen wir fit und belastbar bleiben, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Faszien gesund bleiben. Dies ist nur durch Bewegung möglich. Allerdings unterscheidet sich diese von denjenigen Belastungen, denen wir uns im Alltag aussetzen. Sitzen wir tagsüber im Büro, mag die Beweglichkeit unserer Finger relativ gut sein. Der Rücken, das Gesäß und die Bauchregion verharren jedoch über lange Zeit in derselben Position. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Die Wellenstruktur des Fasziennetzes verkümmert, die Faszie verkürzt. Dies wiederum behindert die Beweglichkeit einer bestimmten Körperregion oder macht sie gar unmöglich. Die zusätzlichen Schmerzen führen zu Schonhaltungen, die wiederum zu weiteren Fehlbelastungen führen. Überlastungen und Folgeschäden sind keine Seltenheit.

Um die gleichmäßige Beweglichkeit des Körpers zu gewährleisten, müssen wir alle Regionen also ausgewogen trainieren. Neben dem Ausdauer- und dem Krafttraining benötigen wir ein regelmäßiges Faszientraining. Dieses unterscheidet sich von den typischen Übungen, die wir zum Aufbau der Schnelligkeit, der Kraft oder der Beständigkeit ausführen.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass sich die natürliche Struktur des Fasziengewebes am besten erhalten lässt, wenn wir sie regelmäßig stimulieren. Dafür kommen sportliche Übungen infrage, die wir aus Kindertagen kennen. Beispielsweise empfehlen Experten das Springseilspringen, aber auch das Hangeln am Klettergerüst. Wichtig ist, dass wir möglichst ungewohnte Bewegungsabläufe ausüben. Hierzu zählen auch Dehnübungen, die sich nicht auf einen einzelnen Muskel beschränken. Vielmehr muss eine ganze Körperregion angesprochen werden. Verbinden wir diese Übungen mit gezielten Atemtechniken, lässt sich der positive Effekt noch verstärken.